Benedikt Sittler ist mehr als nur der Sohn eines bekannten Schauspielers – er hat einen bemerkenswert eigenen Weg in der Modebranche eingeschlagen. Nach einem erfolgreichen Modestudium in Mailand und beruflichen Stationen bei namhaften Häusern wie Vivienne Westwood entschied er sich, gemeinsam mit Yelena Mojarova das Label Moja Rowa zu gründen. Mit einer ganz eigenen Handschrift setzt er auf Nachhaltigkeit und kreative Unabhängigkeit und zeigt dabei, dass Innovation auch ohne großes Startkapital oder Investoren möglich ist. Mutige Entscheidungen und ein feines Gespür für Trends prägen heute seine Arbeit – weit über die Grenzen seiner prominenten Familie hinaus.
Stuttgart, prominente Familie und ein eigenständiger Werdegang
Benedikt Sittler wurde 1987 in Stuttgart-Möhringen geboren und wuchs dort in einem bekannten, aber dennoch bodenständigen Umfeld auf. Seine Eltern sind der Schauspieler Walter Sittler und die Dokumentarfilmerin Sigrid Klausmann – beide fest in der deutschen Medienlandschaft verankert. Doch obwohl Benedikts Familie oft im Rampenlicht stand, war seine eigene Laufbahn keineswegs vorgezeichnet.
Mit zwei Schwestern – eine Schauspielerin, die andere Musikerin – entschied sich Benedikt ganz bewusst für seinen eigenen Pfad. Unterstützt von seiner Familie, konnte er seine Kreativität völlig frei entfalten und folgte früh seiner Leidenschaft für Mode. Dies führte ihn zunächst an das renommierte Istituto Europeo di Design nach Mailand, fernab der Heimat.
Für seine Ausbildung verzichtete er darauf, direkt ins Filmgeschäft einzusteigen – stattdessen setzte er gezielt auf Internationalität und Selbsterfahrung. Anders als viele Kinder prominenter Eltern suchte Benedikt Sittler nicht das Licht des Boulevard, sondern schuf mit Beharrlichkeit seinen individuellen Weg in einer herausfordernden Branche. Durch diese Entscheidungen legte er den Grundstein für eine Karriere, bei der persönliche Überzeugungen mindestens ebenso wichtig sind wie handwerkliches Können.
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Mode-Studium in Mailand, Abschlussarbeit auf Gotland
Sein Abschlussprojekt stand unter dem Titel „Das innere Kind“, was seine persönliche Auseinandersetzung mit Identität und Kreativität widerspiegelte. Für die Umsetzung arbeitete Benedikt eng mit Fotograf Jens Spöri zusammen. Gemeinsam reisten sie nach Gotland – eine bewusste Entscheidung, denn Gotland ist sowohl Lebens- als auch Arbeitsort seines Vaters Walter Sittler, der dort regelmäßig für Dreharbeiten verweilt. So verband Benedikt familiäre Bezüge mit seiner Profession: Die malerische Inselkulisse setzte er ganz gezielt als Inspirationsquelle für die Kollektion ein.
Die Bilder aus diesem Projekt veröffentlichte später sogar Walter Sittler selbst auf seiner offiziellen Facebook-Seite. Mit diesem besonderen Abschluss zeigte Benedikt Sittler, wie sehr ihn Vielfalt an Erfahrungen und persönliche Geschichte prägen – und dass diese Verbindungen stimmige, ausdrucksstarke Mode hervorbringen können.
| Station | Jahr | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Modestudium am Istituto Europeo di Design, Mailand | 2009–2012 | Abschlussarbeit „Das innere Kind“ auf Gotland fotografiert |
| Assistent Creative Director bei Vivienne Westwood, London | 2012–2020 | Direkte Zusammenarbeit mit Andreas Kronthaler, internationale Erfahrung |
| Gründung von Moja Rowa | 2022 | Fokus auf nachhaltige Mode; direkte Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern |
Berufseinstieg bei Vivienne Westwood in London
Nach seinem Abschluss in Mailand entschied sich Benedikt Sittler für einen mutigen Schritt: Er zog nach London, um im kreativen Zentrum der internationalen Modewelt Fuß zu fassen. Dort begann er seine Laufbahn bei Vivienne Westwood, einer der prägendsten Designerinnen unserer Zeit. Im berühmten Westwood-Studio war Benedikt als Assistent des Creative Directors tätig und arbeitete direkt unter Andreas Kronthaler, dem langjährigen kreativen Kopf des Hauses.
Diese Aufgabe bedeutete nicht nur Zugang zu exklusiven Shows und renommierten Persönlichkeiten aus der Szene, sondern vor allem den täglichen Austausch mit echten Pionieren nachhaltiger und avantgardistischer Mode. Westwoods Haus steht traditionell für politisches Engagement, Individualismus und handwerkliche Exzellenz. Hier lernte Benedikt Sittler, dass Mode mehr sein kann als reine Ästhetik – sie kann auch Haltung zeigen und gesellschaftliche Diskussionen anstoßen.
Im Team lernte er, wie anspruchsvolle Kollektionen von Grund auf entwickelt und umgesetzt werden. Außerdem knüpfte er wertvolle Kontakte zu gleichgesinnten Kreativen; darunter Yelena Mojarova, die später seine Partnerin bei Moja Rowa wurde. Die Jahre in London veränderten seinen Blick auf die Branche grundlegend: Sie gaben ihm das Selbstvertrauen und Know-how, mit eigenen Ideen später neue Wege in der nachhaltigen Mode einzuschlagen.
Drei Jahre Leben und Wandel in Mexiko
Was zunächst als viermonatige Reise geplant war, entwickelte sich für Benedikt Sittler und seine Partnerin zu einer völlig neuen Lebensphase: Nach dem Ausstieg bei Vivienne Westwood flogen sie Anfang 2020 nach Mexiko, eigentlich auf der Suche nach Abstand und Inspiration. Doch dann kam die Pandemie – plötzlich saßen sie dort fest und blieben statt Wochen fast drei Jahre.
In dieser Zeit wohnten sie in einem kleinen Haus im Dschungel, weit entfernt von den straffen Rhythmen der europäischen Modeindustrie. Ohne feste Vorgaben und Abgabefristen konnten sie zum ersten Mal frei experimentieren und setzten sich intensiv mit lokalem Handwerk sowie traditionellen Färbetechniken auseinander. Dieser neue Alltag gab Benedikt Raum, über die bisherigen Regeln seines Berufs nachzudenken und gänzlich eigene Ansätze für nachhaltige Mode zu entwickeln.
Während des Aufenthalts entstanden die Grundideen für das spätere Label Moja Rowa. Das Leben in enger Verbindung zur Natur prägte nicht nur ihre Einstellung gegenüber Materialien und Arbeitsweisen, sondern brachte auch eine neue Wertschätzung für das Kreative abseits industrieller Standards. Die Erfahrungen in Mexiko wurden somit zu einem Wendepunkt – sowohl persönlich als auch für die künftige Arbeit in der Mode.
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Moja Rowa: Nachhaltige Mode mit individueller Handschrift
Ein zentrales Element ihrer Philosophie ist die Nutzung von Deadstock-Stoffen, also ungenutzten Restmaterialien aus der Textilindustrie. So vermeiden sie Verschwendung und geben wertvollen Materialien ein zweites Leben. Jedes Stück wird von Hand gefertigt und erhält durch spezielle Färbe- und Drucktechniken einen einzigartigen Look – kein Kleidungsstück gleicht dem anderen. Die Kollektionen spiegeln daher ganz individuell die Freude am Experimentieren wider und sind geprägt von farbenfroher Verspieltheit.
Mit diesem Ansatz bleibt Moja Rowa unabhängig und kann kreative Entscheidungen ohne Kompromisse umsetzen. Ihre Entwürfe sind ein Statement für bewussten Konsum und für das Recht auf Individualität. Wer Mode von Moja Rowa trägt, zeigt nicht nur Stilbewusstsein, sondern unterstützt auch einen respektvollen Umgang mit Ressourcen und handwerklicher Tradition.
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Förderpreisgewinn, Debüt auf der Mailänder Modewoche und die Frage nach Unabhängigkeit
Im September präsentierten sie erstmals eine vollständige Saisonkollektion auf dem offiziellen Kalender der Mailänder Modewoche. Ihr Debüt fand in einer historischen Mailänder Wohnung statt – die Atmosphäre war intim, die Umsetzung kreativ: Models tanzten leise zur Musik auf Kopfhörern, das Publikum wurde eingeladen mitzutanzen. Die Kollektion überzeugte durch individuelle Handarbeit und farbenfrohe, verspielte Details aus Deadstock-Stoffen.
Doch mitten im Rampenlicht stellte sich eine entscheidende Frage: Kann das Label seine kreative Freiheit und die strikte Unabhängigkeit von Investoren bewahren? Trotz Showroom-Verträgen, Concept Stores und wachsender Sichtbarkeit bleibt es faszinierend offen, wie lange Moja Rowa diesen Weg kompromisslos gehen wird – und ob echte Unabhängigkeit in der Modewelt tatsächlich möglich ist.



